Hallo Brünn...

Ein kleiner Rundgang durch Brünn


Beginne Deinen Rundgang am Comeniusplatz (Komenského náměstí), direkt vor dem Medizinischen Fakultät der Masaryk Universität in Brünn. Das Gebäude, in dem sich heute die Fakultät befindet, war früher die Deutsche technische Hochschule (Německá vysoká školá technická). Direkt davor befindet sich eine Statue des ersten tschechoslowakischen Präsidenten Tomáš Garrigue Masaryk, dem Namenspatron der Universität. Außerdem findest du am Comeniusplatz noch die evangelische Kirche von Jan Amos Comenius (kostel Jana Amose Komenského), die wegen ihrer Farbe auch die "Rote Kirche" genannt wird.

Verlasse den Platz mit der Kirche im Rücken und gehe rechts in die Údolní Straße. Auf der linken Seite findest du ein altes Schild, dass in deutscher Sprache an den Brünner Turnverein von 1878 erinnert. Knapp dahinter geht es den Berg zur Burg Spielberg (Hrad Špilberk) hinauf. Von oben hast Du einen hervorragenden Blick über die Innenstadt von Brünn, den Du durch das Besteigen des Aussichtsturm sogar noch verbessern kannst.
Die Burg, im 13. Jahrhundert zum Schutze Brünns gebaut, hat eine wechselhafte Geschichte und wurde so im 17. Jahrhundert erweitert und in ein Gefängnis für Schwerverbrecher umgewandelt, dass zu den härtesten Europas gehörte. Das Gefängnis wurde 1855 aufgelöst und Špilberk wurde zu einer Kaserne. Im Jahr 1962 wurde die Anlage zum Kulturdenkmal erklärt und seitdem mehrfach umfassend renoviert. Heute ist es ein Museum sowie Kulturzentrum mit zahlreichen Aufführungen und Konzerten.

Verlasse Špilberk und den Hügel in südöstlicher Richtung. Als Wegpunkt können Dir die Doppelspitzen der Kathedrale dienen, die unseren nächsten Stopp markieren. Unterwegs kommst Du über den Schillingplatz (Šilingrovo náměstí), an dem früher der Viehmarkt direkt am Brünner Stadttor stattfand. Leider wurde dieses Tor im 19. Jahrhundert mit der alten Stadtbefestigung abgerissen.

Bei gutem Wetter kannst Du einen Abstecher zu den Denis-Gärten (Denisovy sady) machen, von wo aus Du bei gutem Wetter leicht das berühmte Messegelände sowie den neuen Campus der Medizinischen Fakultät der Masaryk Universität in Brünn sehen kannst.

Bei nicht ganz so klarer Sicht ist das nächste Ziel die St.-Peter-und-Paul-Kathedrale (Katedrála sv. Petra a Pavla), deren Geschichte bis in das 11. Jahrhundert zurück reicht und die ohne Frage ein Wahrzeichen Brünns darstellt und es auf die 10-Kronen-Münze des Landes geschafft hat Die ehemalige Kirche am Petrov Hügel wurde 1777 zur Kathedrale erhoben. Besonders ist das Mittagsläuten, welches nicht um 12:00, sondern um 11:00 zu hören ist. Der Legende nach hat der schwedische General Torstenson bei der Belagerung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg erklärt, dass er die Belagerung beenden wird, wenn die Stadt nicht bis 12:00 eingenommen wird. Das verfrühte Läuten ließ die Schweden dann tatsächlich abziehen.

Von der Kathedrale geht es zum Kapuzinerplatz (Kapucínské náměstí), der noch einmal einen großartigen Ausblick auf die Kathedrale selbst ermöglicht. Dazu gibt es noch die Statuengruppe des Merkurbrunnens (Merkurova kašna) zu sehen. Auf dem Dach des Hauses an der Ecke zur Masaryk-Straße befindet sich eine bemerkenswerte Hausmarke in Form dreier krähender Hähne. Es erinnert daran, dass an diesem Ort bereits Ende des 18. Jahrhunderts das Gasthaus „Zu den drei Hähnen“ (hostinec U Tří kohoutů) stand.

Weiter geht es zum einzigen erhaltenen Stadttor der Brünner Stadtbefestigung, dem Mönitzer Tor (Měnínská brána). Es war eins von insgesamt fünf Toren und erlebte in der Geschichte zahlreiche kleinere und größere Umbauten, bis es zu Beginn der 1980er Jahre in der heutigen Form rekonstruiert wurde. Im Tor befindet sich das Spielzeugmuseum (Muzeum hraček).

Weiter geht es zum Malinovskiplatz (Malinovského náměstí). Der Platz, benannt nach einem sowjetischen Marschall, der Brünn 1945 befreite, wird durch das Mahen-Theater (Mahenovo divadlo) dominiert, welches 1882 als Deutsches Stadttheater fertiggestellt wurde. Seinerzeit war es Europas erstes Theater, dass komplett mit elektrischen Glühbirnen beleuchtet wurde. An diese Tatsache erinnert heute eine Skulptur aus ineinander verschlungenen Glühbirnen. Der Erfinder der Glühbirne, Thomas Alva Edison, kam im September 1911 selbst nach Brünn, um die Beleuchtung des Theaters anzuschauen.

Rechts am Theater vorbei geht es für Dich nun durch den Park in Richtung Janáček-Theater (Janáčkovo divadlo) und daran vorbei auf den großen Vorplatz. Beindruckend ist hier der Wasservorhang, der Schrift und Bilder direkt aus Wasser schreibt. Das Theater mit seinen fast 1400 Plätzen war zur Zeit der Eröffnung nicht nur das größte in Brünn, sondern das größte in der Tschechoslowakei.

Einmal über die Straße kommst Du zum Mährischen Platz (Moravské náměstí), einem der größten Plätze Brünns. Ein Teil bildet der kleine Park mit Springbrunnen, der Dich im Sommer zum verweilen oder Lernen einlädt. Ein anderer Teil bildet der Platz direkt vor der barocken St.-Thomas-Kirche (kostel sv. Tomáše). An diese Kirche grenzt die Mährische Galerie an. Du erkennst sie leicht, weil davor eine acht Meter hohe Reiterfigur steht, die eigentlich Tapferkeits-Statue genannt wird. Durch den Blick, den Du erhaschen kannst, wenn du direkt unter der Statue Richtung Pferdekopf schaust, ist dieses Kunstwerk auch in Brünn nicht unumstritten.

Vom Mährischen Platz geht es stadteinwärts zum Jakobsplatz (Jakubské náměstí) mit seiner gotischen St.-Jakobs-Kirche (kostel sv. Jakuba) mit ihrem 94 Meter hohen Turm. Tatsächlich erfreuen sich tschechische und internationale Studenten allerdings mehr an den zahlreichen Bars und Restaurants, die hier zu finden sind. Solltest Du aber Zeit haben oder es für einen Kneipenbesuch noch zu früh sein, sei gesagt, dass in der Kirche Louis Raduit de Solches bestattet ist, jener General, der die Idee mit dem Mittagsläuten um 11:00 Uhr hatte.

Unser Spaziergang endet am Freiheitsplatz (Náměstí Svobody), dem bedeutendsten und lebhaftesten Platz Brünns, der seine dreieckige Form von alten Handelsrouten her hat. Bevor Du Dir hier eine Kleinigkeit zur Stärkung holst, die Du Dir natürlich verdient hast, schau Dich noch einmal um. Du findest das Haus der Herren von Leipa (Dům pánů z Lipé) im Renaissancestil mit biblischen Szenen auf der Fassade sowie das Palais Klein (Kleinův palác) im Stile der Neorenaissance mit seinen kräftigen Erkern. Als Kontrast siehst Du die kühl funktionalistische Fassade der Komerční Bank.

Auf dem Platz selbst findest Du die Pestsäule (morový sloup) aus dem Jahr 1689, einen Bronzebrunnen sowie die sogenannte Zeitmaschine, eine knapp sechs Meter hohe Skulptur aus schwarzem Granit. Jeden Tag um 11:00 Uhr fällt hier eine Glaskugel heraus und erinnert an die Geschichte mit dem verfrühten Mittagsläuten. Obwohl die Form der Uhr zu mehreren weniger schmeichelhaften Namen verholfen hat, versammeln sich jeden Tag um kurz vor 11:00 Menschen, um die Glaskugel als Souvenir zu bekommen. Möglicherweise bekommst Du ja auch eine.



Die Rote Kirche am Comeniusplatz

Die Kathedrale vom Spielberg aus gesehen

Die Galerie am Mährischen Platz

Der Freiheitsplatz mit Blick auf die St.-Jakobs-Kirche