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Harvard University meets Charles University in Prague


Ass. Prof. für Psychology Ellen Braaten, Ph.D., arbeitet am Institut für Psychiatrie an der Harvard Medical School und praktiziert als klinische Psychologin am Massachusetts General Hospital. Die letzten sechs Monate war sie als Gastprofessorin an der Zweiten Medizinischen Fakultät der Karlsuniversität in Prag tätig. Ein Gespräch.

Was war Ihre Hauptmotivation, sechs Monate an der Zweiten Medizinischen Fakultät der Karlsuniversität in Prag als Gastprofessorin zu verbringen?

Lassen Sie mich damit beginnen, zu sagen, dass geehrt bin, ein Teil dieser geschätzten Institution und Fakultät zu sein. Das erste Mal lernte ich die Fakultät kennen, als ich gebeten wurde, auf einer ADHS Konferenz zu sprechen, die 2014 in Prag organisiert wurde. Da lernte ich Dr. Michal Goetz und Professor Radek Ptacek kennen. Wir alle interessieren uns für Forschung auf dem Gebiet von Kindern und Erwachsenen mit ADHS und haben bei einigen Projekten zusammen gearbeitet. Ich wollte unsere Arbeit fortsetzen und eine weiterführende Zusammenarbeit zwischen der Institut in Prag und meinem eigenen etablieren. Als Dr. Goetz mit mir über die Möglichkeit einer Gastprofessur sprach, war ich sehr glücklich, die Möglichkeit wahrnehmen zu können.

War die Entscheidung, für sechs Monate nach Prag zu kommen, schwer?

Es war überhaupt keine schwere Entscheidung! Prag ist die schönste Stadt der Welt und dies ist ein einmaliges Erlebnis im Leben. Der schwierigste Teil war es, sicherzustellen, dass meine klinische Arbeit in der Heimat übernommen wird. Ich bin froh, dort so hilfreiche Mitarbeiter zu haben.

Was für Kurse haben Sie unterrichtet?

Ich habe einen Kurs über ADHS für Fortgeschrittene gegeben. Außerdem Vorlesungen über Psychopathologie bei Kindern, abnorme Psychologie und Verhaltensstörungen. Dazu hatte ich die Möglichkeit, im Institut für Kinderheilkunde Vorlesungen zu Themen wie Selbstmord in der Jugend und Genetische Ursachen von ADHS zu halten.

Was denken Sie von den Studentinnen und Studenten der Zweiten Medizinischen Fakultät der Karlsuniversität in Prag?Harvard University meets Charles University in Prague

Die Fakultät und ihre Studentinnen und Studenten sind wunderbar. Alle sind sehr freundlich und offen dafür, Wissen aufzunehmen und zu teilen. Ich bin sehr vom Wissensstand der Studentinnen und Studenten beeindruckt. Alle würden in den USA sehr gut klar kommen. Sie sind sehr sachkundig und ich lerne sicher so viel von Ihnen, wie sie von mir lernen.

Ihr Besuch hier, mit Ihrer Erfahrung sowohl aus der Harvard Medical School und dem Massachusetts General Hospital, ist natürlich eine Bereicherung für Studentinnen und Studenten und auch für Lehrkräfte bei uns. Gibt es für Sie und Ihre Karriere auch Vorteile?

Definitiv gibt es auch Vorteile für meine Karriere. Wissen ist unnütz, wenn man es nicht teilt, und Institutionen wie Harvard oder das Massachusetts General Hospital legen auf dieses Konzept wert. Die Harvard Universität arbeitet sehr gern mit anderen Institutionen zusammen und ich bin sehr glücklich, dass ich als Gastprofessorin hierfür ausgewählt wurde. Die Karlsuniversität Prag hat einen hervorragenden Ruf und mein Institut profitiert von der neuen Partnerschaft.

Haben Sie sich hier vorrangig auf die Ausbildung konzentriert oder auch auch an anderen Projekten mitgearbeitet?

Ich habe an einer Reihe von Forschungsprojekten mitgearbeitet, zum Beispiel an einer Veröffentlichung mit Dr. Goetz und Professor Ptacek über die Wahrnehmung von Zeit bei ADHS Betroffenen. Ich helfe außerdem Dr. Goetz, eine Konferenz zu organisieren, bei der es um psychische Erkrankungen während der Schulzeit gehen wird.

Eine Ihrer Hauptinteressen ist ADHS. Was sind die jüngsten Entdeckungen auf dem Gebiet? Fanden Sie die Ansätze im Bezug auf Forschung, Diagnose und Behandlung bei uns in Prag anders als in den USA?

ADHS ist eine Verhaltensstörung, die vielschichtig erforscht wird und es gibt immer neue Entdeckungen - manchmal können diese Erkenntnisse kontrovers oder widersprüchlich erscheinen. Zum Beispiel zeigen viele Studien einen erhöhten Nikotinkonsum bei Menschen mit ADHS, aber eine kürzlich in der Tschechischen Republik veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass es im Fall dieser Studie nicht so war. Es gab auch gerade in der Vergangenheit einige Studien über die Verwendung digitaler Medien, wobei einige zum Ergebnis kamen, dass es die Symptome von ADHS in Jugendlichen verstärken kann. Eine neue Sichtweise basiert auf der Tatsache, dass ADHS (genau wie viele andere psychische Störungen) parallel mit anderen Störungen existiert. Zum Beispiel und basierend auf einer Langzeitstudie kämpfen 40% der Kinder mit ADHS in ihrem Leben zumindest einmal mit Depressionen. Aktuelle Bewertungen und Behandlungsmethoden ziehen dabei die Komplexität der Erkrankungen in Betracht. Forscher schauen, ob es ein Art von ADHS geben könnte, die eng mit Depressionen einher geht, da es Erwachsene gibt, die nicht auf Antidepressiva reagieren und in Wirklichkeit an einem noch nicht diagnostizierten ADHS leiden könnten. Insgesamt sind die Häufigkeiten in den USA und Tschechien sehr ähnlich.

Wie schaut es mit der Ernährung bei Kindern mit ADHS aus? Es gibt die Meinung, dass einige Lebensmittelzusätze, Farbstoffe und „E-Zeug“, besonders in Schokolade, Süßigkeiten und Softdrinks zur Hyperaktivität bei Kindern beiträgt und die Symptome von ADHS verstärkt. Für mich war es interessant in einer Ihrer Vorlesungen zu hören, dass es keine Forschungsergebnisse gibt, die diese These stützen.

Dies ist eine großartige Frage, die häufig gestellt wird. Seit Jahren stellen Eltern diese Frage und Forscher versuchen, sie zu beantworten. Hier ist die Kurzfassung: Es gibt keine spezielle Ernährung, die von ADHS heilt oder auch nur die Symptome lindert. Einige Leute behaupten, Kinder mit ADHS sollten einige Nahrungsmittel meiden, zum Beispiel Zusätze oder Lebensmittelfarben. Es gibt jedoch keinerlei Beweise, dass das Weglassen einzelner Nahrungsmittel einen direkten Einfluss auf ADHS oder die Symptome hat. Aber einige Kinder können besonders empfindlich für bestimmte Lebensmittel sein und alle Kinder davon profitieren, wenn man ihren Zuckerkonsum senkt. Insgesamt kann man sagen, dass die allgemein beste Ernährung für Kinder auch die beste Ernährung für Kinder mit ADHS ist. Wenn ein Kind besonders empfindlich auf bestimmte Lebensmittel reagiert, ermutige ich die Eltern, die Symptome genau zu beobachten. Dann kann das Weglassen bestimmter Nahrung dem Kind helfen, sich besser zu fühlen und besser zu funktionieren.

Aus Ihrer Erfahrung, wenn man bei einem Kind das erste Mal den Verdacht hat, es ist nicht einfach schlecht erzogen, sondern könnte in Wirklichkeit an ADHS leiden, wer spielt dann die wichtigste Rolle? Die Lehrer? Die Familie? Oder Kinderärzte?

Bei diese Frage kommt es sehr stark auf das Alter des Kindes an. In einem Kind mit signifikanten Einschränkungen im jungen Alter, sind die Eltern und anderen Familienmitglieder die ersten, die es feststellen werden. Für gewöhnlich sind Kinderärzte dann die ersten, die Probleme dokumentieren und Diagnosen stellen. Kinderärzte sind in der besonderen Position, Informationen über die ‚normale‘ Entwicklung des Kindes zu haben. Nachdem das Kind das Schulalter erreicht hat (also mit 5 oder 6 Jahren), sind Lehrer oft die ersten, die problematische Verhalten feststellen. Ab diesem Alter verbringen Lehrer einen Großteil der Zeit mit Kindern. Darum spielen sie eine wichtige Rolle in der Diagnosefindung.

Warum ist öffentliche Aufklärung über ADHS so wichtig?

Aufklärung ist gleich auf mehrere Weisen wichtig. Die Allgemeinheit und auch andere Berufsgruppen müssen die Fakten über ADHS kennen. Es ist eine wirkliche Krankheit, die beeinflusst, wie das Gehirn arbeitet und sie ist vererbbar. Es ist nicht das Ergebnis schlechter Erziehung oder bedeutet, dass sich das Kind einfach mehr anstrengen muss. Besseres Wissen über ADHS kann zu früherer Behandlung führen, was bessere Ergebnisse in der Jugend und dem Erwachsenenalter bedeutet.

Gibt es Ähnlichkeiten zwischen der Harvard Medical School und der Zweiten Medizinischen Fakultät der Karlsuniversität in Prag? Was sind die größten Unterschiede, die Sie zwischen den beiden gesehen haben. Gab es etwas, was Sie inspiriert hat?

Die beiden Fakultäten sind sich bemerkenswert ähnlich. Der Hauptunterschied, so finde ich, ist der klinische Alltag. Das medizinische System in den USA ist privatisiert und die Ärzte und Psychologen in den USA verbringen viel Zeit damit, mit Versicherungen zu verhandeln. Außerdem ist die Aufenthaltsdauer für stationäre Patienten in amerikanischen Krankenhäuser viel kürzer. Ärzte in den USA haben weniger Zeit, Patienten zu behandeln und müssen aufgrund der Erstattung der Versicherungen in der Regel viel mehr Patienten sehen. Was ich im inspirierendsten finde, ist die historische Perspektive, in einem Land zu leben, das im letzten Jahrhundert so viele politische Wechsel erlebt hat. Die wissenschaftliche Gemeinschaft musste widerstandsfähig bleiben und das Ergebnis ist eine Fakultät, die dafür offen ist, neue Ideen zu fördern und zu hören.

Wie hat Ihnen Prag und Tschechien gefallen?

Ich liebe alles an Tschechien - das Essen, die Leute und die Kultur sind großartig. Meine Großeltern sind aus Zentraleuropa (Österreich-Ungarn) immigriert und die Familie meines Vaters war aus Prag, bevor sie in Wien lebte. Auf viele Arten fühlt sich dies wie eine Heimat an, die ich zuvor niemals kannte. Es gibt nur eine große Ausnahme in meinem Enthusiasmus - und das ist die Sprache, die unglaublich schwer zu lernen ist.
Dies ist ein Beitrag von Max.
Die ist ein Beitrag von Max und behandelt ein Gespräch mit Ass. Prof. Ellen Braaten, PhD..

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Wissenswertes
Ass. Prof. Ellen Braaten war als Gastprofessorin sechs Monate an der Zweiten Medizinischen Fakultät der Karlsuniversität in Prag tätig. Das Gespräch führte ursprünglich Tereza Kustkova.

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