Mein Medizinstudium in Pilsen: Das vierte Studienjahr
So nervenaufreibend und unentspannt das dritte Studienjahr an der Medizinischen Fakultät Pilsen der Karlsuniversität in Prag auch enden mag, so verlockend ruhig beginnt das vierte Jahr meines Medizinstudiums im Ausland.
Das Wintersemester dreht sich im Wesentlichen um die Pharmazie, was auch am Ende die größte Prüfung darstellt. Außerdem werden noch Zahnmedizin für Humanmediziner und Propädeutik der Chirurgie gelehrt. Alle anderen klinischen Fächer werden erst im Sommer abgeprüft.
Mich hat besonders die Zahnmedizin überrascht, da es zwar „simpel“ aufgebaut war, jedoch auf die wesentlichen Aspekte abzielte, die man als Humanmediziner wenigstens einmal gehört haben sollte, oder zumindest im Hinterkopf behalten muss. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich in meiner Laufbahn keinen Zahn ziehen werde, außer ich begebe mich auf eine Antarktis- Expedition, aber zu erfahren, welche Techniken und Gerätschaften dahinter stecken, war sicher hilfreich, wenn auch teilweise abschreckend. Außerdem sollte die Mundhygiene und Zahngesundheit auch jeder Allgemeinarzt oder anderweitig tätige Arzt nie außer Acht lassen. Auch wenn wir also nicht tief in die Materie eingestiegen sind, war es doch sehr hilfreich und für mich ein guter Denkanstoß.
Im Bereich der Propädeutik hatten wir bereits im dritten Jahr Erfahrung mit der Inneren Medizin gemacht. Diese wurde im vierten Jahr regulär weiter gelehrt und erweitert, an die Chirurgie wurden wir mit diesem vorbereitenden und informierenden Kurs herangeführt.
Waren in der Propädeutik der inneren Medizin noch die grundlegenden Praktiken der körperlichen Untersuchung im Vordergrund, so wurden in der Chirurgie unter Beachtung der eben genannten Techniken auch andere, invasive und handwerkliche Techniken gezeigt. Die Chirurgie, das Handwerk, bietet eine riesige Bandbreite an Fachgebieten, die es in diesem Einführungskurs zu überblicken und einzuordnen galt.
Das dritte und größte Themengebiet des Wintersemesters war die Pharmazie und wem die Tragweite und Präsenz der Verwendung verschiedenster Medikamente in jedem Fachbereich der Medizin bis dahin nicht bewusst war, wurde spätestens hier eines Besseren belehrt. Diese Tatsache und die stellenweise irrwitzigen Namen der Medikamente ließen auf eine durchaus anspruchsvolle Prüfung schließen. Aber nicht nur die Prüfung, sondern auch das Wissen, einem Großteil dieser Medikamente später einmal begegnen zu werden, spornten zu sorgfältigem Lernen an.
Kaum ein Semester der relativen Ruhe hinter sich gebracht, wartete das im Vergleich dazu stressige Sommersemester. Die Vielzahl an klinischen Fächern, Urologie, Dermatologie, Neurologie, Radiologie, Forensik (Gerichtsmedizin) und Sportmedizin sind für sich schon jeweils eine Herausforderung, jedoch kamen die Prüfungen gesammelt am Ende des Sommersemesters und wollten gut koordiniert sein. Die Tatsache, dass sich die einzelnen Kliniken etwas Zeit ließen, bis sie die Prüfungstermine veröffentlichten und jeder dann noch den gewünschten Platz zur gewünschte Zeit für die Prüfung ergattern wollte, verkomplizierte die ganze Situation noch etwas.
Jedoch im Nachhinein betrachtet und mit dem Wissen, dass alle Prüfungen gut überstanden sind, nimmt es das meiste von dem Schrecken weg, den es am Anfang erweckte. Die Prüfungen sind allesamt recht entspannt gehalten und man fühlt sich am Ende des vierten Jahres im Medizinstudium im Ausland nicht mehr wie ein blutiger Anfänger, wird auch von den Prüfern nicht mehr als solcher betrachtet und kann aus einem riesen Pool an vorklinischen und klinischen Fächern schöpfen.
Dieser Pool ist Fluch und Segen zugleich, denn er gibt einem die Möglichkeit, aus allen bisherigen Fächern etwas für andere Fächer zu übernehmen und Themenkomplexe zu verbinden, jedoch zeigt sich hier auch, wenn man das ein oder andere Fach in den vergangenen Jahren zu sehr überflogen, oder zu ungenau gelernt hat.
Ich freue mich auf die Aufgaben in den Semesterferien, hier wird nämlich nach dem vierten Jahr ein Praktikum verlangt. Zwei Wochen auf einer internistischen und zwei Wochen auf einer Chirurgischen Station. Ob jeweils zwei Wochen Famulatur ausreichend sind und warum die Uni recht wenig Wert auf praktische Ausbildung legt, werde ich hier nicht kommentieren. Bis zum nächsten Jahr!